Klaus Dengler | E-Mail: klaus@denglernet.de | Telefon: +49 (0)7142 966 9550

zu: Weitere Themenbereiche

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Über die vorigen Themen hinaus werden im Buch noch überaus viele weitere Aspekte der Spechtringelung abgehandelt, bei denen keine oder wenig grundlegende Berichtigungen bisheriger Ansichten erforderlich sind und waren. Auch dazu sind im Buch kapitelweise alle verfügbaren Beobachtungen, Befunde und Meinungen zusammengeführt und münden jeweils in ein kurzes Fazit. Das Nähere zu den nachfolgend genannten Themenbereichen findet sich also in der Monographie.

►►▬ Von den einheimischen Spechtarten zählen zu den Ringelspechten Gr.BuSp, DrZSp, MiSp, randständig der SchwSp und der GrünSp. Die meisten Beringelungen verübt der Gr.BuSp; im Gebirge sowie in nordischen Breiten Europas und Asiens kommt der DrZSp dazu. Die anderen Spechtarten beteiligen sich nach heutigem Kenntnisstand wenig bis kaum einmal an diesem Geschehen; vom GrauSp und vom Kleinspecht sind keine Ringelungen bekannt. (A 6.3)

►►▬ Es gibt zwar Anhaltspunkte dafür, daß es sich beim Ringeln um ein individuelles Verhalten handeln könnte; die Auffassungen sind nicht einheitlich; offen ist auch die Frage, ob es sich beim Ringeln um ein Verhalten ohne oder mit Lernverhalten handelt (A 7.3).

►►▬ Die Frage nach der Kontinuität stellt sich unter vielen Aspekten: ♦ unter dem Aspekt des Geschehens in Folgejahren an einer Örtlchkeit, ♦ nach der Fortdauer an den jeweiligen Ringelbäumen; es gibt Objekte mit nur einmaliger Bearbeitung und Fälle mit einer Bearbeitungsdauer von nachweislich weit über !00 Jahre, dabei nicht in jedem Jahr, ♦ nach der Dauer und Wiederholung während einer Ringelungssaison, dies mit dem Blick auf die Menge der an einem Baum zustandekommenden Hiebsmarken, die zwischen einigen wenigen und vielen Tausend variert. Es gibt keinerlei Norm (A 10.2).

►►▬ Die maximale Lebensdauer der Spechte, speziell für den Gr.Buntspecht als Ringelspecht Nr.1 (früher mit etwa 5-7 Jahre veranschlagt, inzwischen nach oben korrigiert). Dies und ihre Sinne sowie die für das Ringeln möglicherweise relevanten körperlichen und biologischen Ausstattungen und Eigenschaften (bspw. Schnabel- und Zungenmorphologie, Magen, Kletterverhalten) sowie Verhaltensweisen und anderes mehr werden in Kap. A 7.1 kurz angesprochen.

Das mittlere Alter der Spechte ist für das Phänomen des Ringels insofern von Bedeutung, als es immer wieder Bäume mit Ringelungsnarben aus Jahrzehnte–langer Bearbeitung gibt, was diese Objektwahl über Generationen hinweg voraussetzt.

►►▬ Das Trinkverhalten der Spechte ist nicht in allen Details geklärt. Die übliche Form der Flüssigkeitsaufnahme ist an offen zugänglichen Wasserstellen das sog. Schöpfen (A 6.2, A 7.2), was jedoch entgegen wiederholter völlig oberflächlicher Behauptungen nicht für die Aufnahme von Baumsaft an oder aus Ringelwunden zutreffen kann.  Dies geschieht durch Lecken mit ihrer hierfür wenig geeigneten >Häkchen<- = >Harpunen<-Zunge.Ziemlich obskur ist die Unterstellung der Befähigung zum Saugen, vom Saft oder gar von Harz !

►►▬ Die Wahl der Objekte nach Maßgabe der äußeren Beschaffenheit von Ringelbäumen und bearbeiteter Baumteile, nach ihrem Alter, ihrer Dimension und nach ihrer Position (im Bestand, solitär freistehend) ist verschieden, also völlig uneinheitlich. Äußerliche Merkmale für eine auf einer inneren Beschaffenheit des Ringelbaumes beruhenden Prädisposition (A 11.4) gibt es nicht.

►►▬ Die Tiefe der Ringelungshiebe, die (außer bei Linden) stets bis ins Kambium, d.h. bis auf oder noch ein wenig in das Xylem gehen, was bei den Blutergehölzen zum Bluten führt!

►►▬ Weiteres zum äußerlichen Erscheinungsbild von Ringelungen: der Abstand der Hiebswunden sowie der Ringel, ihre Anzahl / Menge ist keiner festen Norm unterworfen.

Bezeichnend ist >nur< der meist gleichmäßige Abstand der Wunden bei dem jeweiligen Ringel, soweit nicht Rindenfurchen ihre Platzierung bestimmen

►►▬ Das Alter geringelter Bäume variert zwischen etwa 10 – 200 oder gar mehr Jahren, v.a bei den Laubbäumen. Hinsichtlich der Dimension geringelter Baumzonen werdenschwerpunktmäßig Stammteile und Äste mit einer Dicke von etwa 5–15 cm und einer noch geringen bis mäßigen Verborkung bearbeitet; die unterste Grenze liegt bei 2 (1,5) cm, dies am ehesten bei jungen Bäumen, also nicht im äußersten Kronenraum älterer Objekte. Bei den selten bearbeiteten Nadelhölzern werden anscheinend nur ältere Stämme beringelt.

►►▬ Die Höhe am Baum: ausnahmsweise kommt es zur Beringelung am Stammfuß, im äußersten Fall sogar auf einem Wurzelanlauf. Zwar verlagern sich die Ringelungszonen mit zunehmendem Baumalter und zunehmender Verborkung meist in die höheren Baumzonen, aber keinesfalls zwingend. So ist oder bleibt gelegentlich auch ein dickes Objekt und basisnaher Baumteil Gegenstand einer nicht nur einmaligen, sondern langfristigen Beringelung (Fotos im Buch). An Alt-Eichen findet man ringelungsbedingten >Eichenkrebs< im oberen Kronenraum (Buch-Fotos 145N1-8). Dagegen werden an Kiefern anscheinend die allerobersten Zonen im Spiegelrinde-Bereich nicht angenommen. Doch fixe Positionsgrenzen (bspw. daß das Ringeln oberhalb 1 m einsetze) gibt es nicht.

►►▬ Himmelsrichtung: eine gewisse, manchmal ganz auffällige Bevorzugung zeigen südlich und südwestlich ausgerichtete Stammseiten. Bei den Bluterlaubbäumen sind dies schwerpunktmäßig die zuerst blutenden stammfußnahen Zonen, im Einklang mit der baumphysiologischen Tatsache, daß das Bluten an den am stärksten erwärmten Baumseiten zuerst in Gang kommt (A 8.1.1). Die manchmal behauptete Ausrichtung gegen offene Ränder oder Sichtschneißen zwecks der Wahrnehmung von Feinden trifft nicht zu.

►►▬ Lage / Standort, Häufigkeit und Vergesellschaftung von Ringelbäumen sowie deren geographische Verbreitung: Über das mir durch die Literatur bekannt gewordene Vorkommen in allen mitteleuropäischen samt skandinavischen Ländern sowie in Asien (Russland samt Sibirien, in Persien: nachweislich im dortigen Elburz-Gebirge, v.a. an Eiben / s.Buch S.268) hinaus fand ich geringelte Bäume in Dänemark, in den Mittelmeerländern Spanien, Portugal (2012) und Sizilien (2013). Anscheinend kommt das Ringeln im gesamten Verbreitungsgebiet vom GrBuSp vor. Ringelbäume findet man sowohl einzeln verstreut wie in Mehr- bis Vielzahl an einem Ort; es gibt keine feststehende Regel zum einzelweisen, zerstreuten – oder zum gruppenweisen Vorkommen.

Direkt an Straßen sind sie höchst höchst selten (bspw. Buch-Fotos 120, 158; zuletzt 2 von 16 Linden vor dem Dorf Nienhagen nahe von Cismar in der Holsteinschen Schweiz und 2 von 5 im Ort selbst. Grundsätzlich schließen aber menschliche Behausungen in nächster Nähe Beringelungen nicht aus (Buch-Fotos 119, 160, 242; jüngst noch mein Nachweis an einer halbwüchsigen Eiche im Hof einer Schule = Mädchen-Gymnasium in Hamburg-Altona / Max Brauerstraße).

►►▬ Die Schadbilder im Holz reichen ungeachtet aller Verwechslungsmöglichkeiten von einfachen punktförmigen oder strichförmigen Farbmakeln bis zu den aus Befallsnekrosen kambiophager Insekten hervorgehenden vielgestaltigen inneren Schäden; wirtschaftlich bedeutend betr. der Holzverwertung sind sie nur in bestimmten Verwendungsfeldern wie bspw. der Furnierindustrie (A 2.6.3 und A 2.6.4).

 

Für die Feldbiologie ist die Kenntnis von

►►▬ SCHEINRINGELUNGEN, die bisher keine oder nur wenig Beachtung fanden, wichtig. Das sind den Ringelungen entfernt ähnliche oder verwechselbare Formen natürlicher Rindenbeschaffenheit (bspw. Lentizellen-Bildungen), durch äußere Einwirkungen herbeigeführte oder genetisch bedingte Rindenanomalien (querverlaufende dünne Wülste, Leisten mit proventiven Knospen, als auffällige Erscheinung die sog. Schuppenschürzen-Kiefern u.v.a.m.), dazu auch Rindenbeschädigungen von Nagetieren, so vom Siebenschläfer Glis glis. Aus der Vielzahl der von diesem Nager hergestellten Schadbilder ist aber im Wesentlichen nur eine Form mit Ringelungen m.o.w. identisch, zumal nach ihrer Vernarbung. Wegen der überaus großen überaus großen Vielfalt der Verwechslungsmöglichkeiten sei hierzu nur auf das Buch verwiesen (Buch-Fotos 220-241).

Des Weiteren werden im Buch noch folgende Spechtaktivitäten vorgestellt und erörtert:

►▬ sog. HACKSCHÄDEN an gesunden Bäumen.

Auch auf diesem Feld existieren irreführende Behauptungen. So geistert ein zweifellos vom Eichhörnchen vor etwa 100 Jahren verübter Schälschaden noch heute als Schwarzspecht-Arbeit durch das Schrifttum (Kap. B 2.4). Die Hackschäden mit all ihren Facetten sind ein nicht weniger rätselhaftes Phänomen wie das Ringeln (hierzu Kap. B 7).
►▬
das als ABSCHUPPEN (Ablösen äußerer Rinden- / Borkenteile) dient meist der Suche nach versteckten Beuteorganismen (Buch-Fotos 278-281). Manchmal steht es aber auch in Verbindung mit einer Ringelung, gewissermaßen als Vorarbeit, v.a. beim Dreizehenspecht an Nadelbäumen (Näheres bei den Argumenten zum Verhaltensatavismus in meiner Stellungsnahme zu WINKLER)

►▬ sog. HACKUNTATEN, nämlich Beschädigungen an materiellen Gütern der menschlichen Wirtschaft, seit geraumer Zeit besonders oft an wärmegedämmten Gebäuden (Buch -Fotos 284ff).

Eigens sind im Buch auch die

►▬ RINDENBESCHÄDIGUNGEN VOM SIEBENSCHLÄFER dargestellt (Buch-Fotos 285-337), dies mit folgender Begründung: Die von diesen Nagern auf herbeigeführten Schadbilder (analog gelegentlich auch vom Gartenschläfer) sind in ihrer Vielfalt und Beschaffenheit noch nicht hinreichend bekannt. Dabei geht diesen Tieren meist nicht allein um den Phloemsaft, sondern auch um das Kambium, insofern sie dieses dann mit den Zähnen abschaben, vergleichbar dem Abraspeln der Hornissen mit ihren Mandibeln. Unter den Rindenbeschädigungen der Bilche ist zumindest eine Form (sog. Anbisse / Einbisse), die in ihrem Erscheinungsbild der Hauptform der Spechtringelungen (Wundtyp I) entfernt ähnlich oder gar mitunter nach Art der sog. Horizontalhiebe) völlig identisch sein kann (Buch-Fotos 292-298); bedingt ist auch eine weitere Form (sog. >schuppige Anbisse bis Anrisse< / Buch-Foto 299-303) fallweise auf den ersten Blick ähnlich. Nicht von ungefähr spricht man auch von Ringelungen der Bilche.

In Ermanglung einer sachlich fundierten, d.h. unter kritischer Verarbeitung der Literatur abgefassten Abhandlung über Siebenschläfer-Schadbilder bzw. Schäden schien es angebracht, im Buch/2012 das ganze Spektrum in Wort (Bd. 1, S. 573ff) und Bildern (Bd. 2 Foto 285ff) aufzuzeigen, dies zugleich zur Sicherung meiner Befunde und Erkenntnisse sowie Fotos aus vieljährigen Beobachtungen.

Wie schon erwähnt führt das gelegentlich (v.a. gegen den Herbst zu) von Hornissen (bsp. foto rechts) verübte Benagen von Laubholztrieben auch zu Schadstellen, die aber (zumindest im frischen Stadium) weder mit Siebenschläfer-Schälstellen, noch mit Spechtringelungswunden verwechselbar sind.

Auf der dem Buch 2012 im Anhang beigegebenen CD-ROM finden sich folgende Angaben:

  • zu den in der Zeit um 1900 jahrzehntelang geführten Auseinandersetzungen zur Nützlich- bzw. Schädlichkeit der Spechte, der sog.Spechtfrage,
  • zu den seinerzeit maßgebenden Wissenschaftlern
  • Angaben zu den amerikanischen Saftleckerspechten,
  • zu Begriffen zur Ringelung aus dem deutschen, englischen u. französischen Schrifttum als Glossar:

Die im Band 2 = Bildband abgedruckten Fotos, Abbildungen, Tabellen und Karten sind zunächst nichts anderes als Dokumente zu den im Textband erörterten Sachverhalten, welcher Art auch immer. Beringelungen sowie Scheinringelungen (Verwechslungsmöglichkeiten) sind bildbedürftig. Darüber hinaus sind die Bilder eine Grundlage zur Feldbiologie, also für die Beurteilung und das Ansprechen von Rindenbeschädigungen in der Praxis.

WALDPÄDAGOGIK

Zum Schluß erscheint folgender Hinweis angebracht: Das biologische Phänomen der Spechtringelung ist aus mehreren Gründen (Verfügbarkeit / Präsenz von Schauobjekten, Anschaulichkeit und Verständlichkeit der äußerlichen Erscheinungsbilder und der Spuren im Holz, den vielen Deutungsversuchen und der Rätselhaftigkeit des Geschehens) ein hervorragender Gegenstand der Waldpädagogik; dies setzt allerdings entsprechende Kenntnisse zu diesem biologischen Phänomen voraus. Denn mit der bloßen Kenntnis von Ringelungsbildern, den >Denkmälern< des Geschehens, ist es nicht getan, wird man dem Thema nicht gerecht.

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