Klaus Dengler | E-Mail: klaus@denglernet.de | Telefon: +49 (0)7142 966 9550

zu Aspekt (2): Ringelbaumarten und Präferenzen

Print Friendly, PDF & Email

Die Ringelbaumarten-,Präferenzen und Häufigkeiten

Die Anzahl der Baumarten mit Ringelungsnachweis, kurzweg als Ringelbaumart bezeichnet, beläuft sich jetzt auf etwa das Doppelte früherer Befunde. Summarisch liegen Nachweise von etwa 130 Gehölzarten vor (Buch Tab.1), wobei es sich bei vielen nur um einen einzigen bis wenige Belege handelt. Für sich genommen kommt der neuerlichen Anzahl keine grundlegende Bedeutung bei, denn sie beruht zum Teil nur auf einer intensiveren und räumlich breiteren Nachsuche. Zeitlich bedingt gingen meine Nachweise aus Portugal 2012 und aus Sizilien 2013 nicht in der Monographie ein: rund um den Ätna fand ich reichlich viele Ringelungen an Birken, vereinzelt an einer sommergrünen seinerzeit noch kahlen Eichen-Art (?), ausnahmsweise an einer Steineiche Quercus ilex, ferner an einem (?Berg-)-Ahorn-ähnlichen Acer spec. sowie an dem seltenen Baumstrauch Celtis tournefortii (folgende 2 Fotos). 

An der Blumenesche Fraxinus ornus, der ich wie schon 2007 in Südtirol ihrer physiologischen Eigentümlichkeit wegen (Spendung von Manna-Zucker; Erntezeit wäre nach örtlicher Auskunft im Juli-August) in der Region Madonien besondere Aufmerksamkeit schenkte, entdeckte ich bei der Wallfahrtskirche Santuario de Gibbelmanna / Cefalu  oben auf dem Seitenast eines Stammes (dieser mit 5 Reihen älterer künstlicher Zapflöcher) einen einzigen Spechtringel (siehe Pfeil; mangels einer Leiter war kein besseres Foto möglich).

Sieht man von stark abweichenden örtlichen Gegebenheiten ab (ein ohnehin für das Ringelungsgeschehen bezeichnender Tatbestand), sind Spechtringelungen insgesamt betrachtet, d.h.gemessen am Baumbestand eine seltene Erscheinung. Dies gilt im gesamten planaren, kollinen bis submontanen Bereich besonders für die Nadelbäume. Am ehesten findet man geringelte Kiefern (Buch S.264-267 + 376-377 / Fußnote 3), Fichten sehr viel weniger (was  größere >Events< nicht ausschließt, wie die Vergangenheit lehrt / S. 378).

Aber auch in den von Nadelbäumen geprägten Bergwäldern sind geringelte Koniferen, ungeachtet sich widersprechender Angaben, spärlich vertreten (Buch v.a. S.383 / 384). Bei eigens dazu unternommenen tagelangen Begängen im südlichen Hochschwarzwald (800 – 1200 m ü.NN) fand ich lediglich eine geringelte Tanne, und zuletzt im Werdenfelser Land bei Garmisch-Partenkirchen (in Lagen bis 1500m ü.NN) nur eine einzige und zugleich dürftige, gar fragliche Spur an einer Fichte (siehe Foto; unweit davon stand die stark bearbeitete Bergulme). Insgesamt betrachtet kommen im Vergleich zu Fichten und (Berg-) Kiefern geringelte Tannen (Buch S. 267; Foto 195),und gar Lärchen (S.266, Foto 194, auch hierbei von örtlichen Abweichungen abgesehen; s.Buch S. 265, 378) nur sporadisch vor, so auch geringelte Arven = Zirbelkiefern (Foto 202).

Stellenweise bzw. örtlich sind auch Eiben Gegenstand einer mitunter äußerst intensiven Beringelung, sowohl in kollinen wie in montanen Lagen, gelegentlich sogar bestandesweise. Ich selbst konnte während 3 Jahrzehnten nie eine geringelte Eibe finden (Näh. im Buch S.268). Besonders eindrucksvolle Fälle sind u.a. aus dem Elburz–Gebirge in Persien bekannt.

Exotische (eingebürgerte) Gehölze sind nicht weniger oder stärker attraktiv wie einheimische; es gibt keinen Anhaltspunkt für eine „allmähliche Anpassung an fremdländische Bäume“, wie dies einmal unterstellt wurde (TURČEK 1961 Kap. A 9).

Grundsätzlich wichtig ist allein der Befund, daß es einige bei uns heimische wie eingebürgerte und z.T. zugleich reichlich vertretene Baumarten gibt, von denen bisher kein Ringelnachweis bekannt ist: Platane, Baumhasel, Magnolien, Tulpenbaum, Stechpalme, Holunder, Sanddorn (dies entgegen einer einst missgedeuteten Beobachtung /s. Buch S.257), viele Obstbaumarten wie Pfirsich, Quitte, Mirabelle, … , ferner Zedern, Thuja (man beachte die Rezension von H.WINKLER in Teil II), Tsuga, u.a.m.. Es bleibt dahingestellt, ob es dabei bleibt oder irgendwann doch der eine oder andere ergänzende Nachweis dazukommt, möglicherweise bei der Gemeinen Esche (bisher nach meinen Befunden ein einziger Treffer auf Hunderttausende!! (Buch-Foto 64), sowie für die eben genannte Blumen- = Mannaesche Fraxinus ornus.

Doch würde ein weiterer Zugewinn an Baumarten nichts daran ändern, daß die Attraktivität der Gehölzspezies höchst unterschiedlich ist; dies gilt gleichermaßen für einheimische wie eingebürgerte Gehölze oder sog. Fremdländer.

Entgegen einer verschiedentlich geäußerten Meinung hängt das Beringeln einer Baumart weder mit ihrer häufigen noch seltenen Verfügbarkeit zusammen. So bleibt manchmal, um die Wirklichkeit zu schildern, eine einzelne Roteiche oder zu wenigen vorhandene- Exemplare dieser grundsätzlich bevorzugten Baumart, verschont, obwohl man meinen könnte, daß solche Objekte umso mehr wie ein >Magnet< wirken, d.h. das Beringeln auf sich ziehen müßten. Ebensowenig existieren gesicherte regional unterschiedliche Präferenzen (A 12 / Buch-Karte 2,2b), eher lokale, wie dies manche Situation nahelegt. So berichtete mir jüngst der Zoologe Dr.V.DORKA / Tübingen von gehäuft geringelten Erlen im oberen Schlierenbachtal (östlich von Einsiedel im Schönbuch), während ich im Umfeld von Rottenburg im Rammert im Laufe vieler Jahre nur ein Exemplar (Buch-Foto 2) und einige wenige bei Mössingen am Rand der Schwäbischen Alb finden konnte.

Der Häufigkeitsgrad von Beringelungen ist also zunächst nach Baumarten höchst unterschiedlich. Auf Grund fremder und eigener Befunde sind Eichen a.A. = Quercus specc., zumindest Europa-weit, bevorzugt (Kap. A 9). Einen besonderen Stellenwert hat dabei die Roteiche Quercus rubra; hingegen ist die immergrüne Steineiche Quercus ilex, ein Hartlaub-Gehölz der mediterranen und anderer wintermilder Regionen nur höchst selten Gegenstand einer Beringelung (Buch-Fotos 133/134). Der besondere Stellenwert der Gattung Quercus geht allein schon aus der Tab.1 im Buch hervor, die 28 Eichen (Unter-) Arten mit Ringelungsnachweis aufweist. Inzwischen kann ich ergänzend noch die Arten Qu. falcata und Qu. texicana (Botan.Garten von Dresden) nennen. Entgegen vieler Verlautbarungen werden Linden keineswegs bevorzugt; die Ringelungsbilder sind nur vergleichsweise über sehr lange Zeiträume besonders auffällig; sie rangieren ziemlich weit hinter der Gattung Ulmus, bei welcher die Bergulme Ulmus glabra anscheinend der Favorit zu sein scheint. Dies verdient der Erwähnung unter dem Gesichtspunkt, daß hierzu „methodisch korrekte quantitative Analysen“, wie es sich der Rezensent H.WINKLER vorstellt, allenfalls für kleine Gebietsareale vorliegen und überhaupt möglich wären (s. meine Stellungsnahme).

Zwar sind Ringelbäume in manchen Waldgebieten nahezu allgegenwärtig, zumindest streckenweise. Andernorts fehlen sie auf weiteste Strecken, auch in Gebieten mit Eichen. Mit Blick auf das bereitstehende Arsenal an Bäumen , also insgesamt betrachtet, sind Spechtringelungen selten.

<< Zur vorherigen Seite ǀ Zur nächsten Seite >>