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Erläuterungen

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Ringeln, RINGELUNG, geringelt

Das Wort ringeln und die davon abgeleiteten Begriffe Ringelung bzw. Beringelung und geringelt werden in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen und Bedeutungen verwendet. Geringelt ist zunächst ein bildhafter Ausdruck für eine äußerliche wie auch innere Segmentierung, beispielsweise eine m.o.w. ringförmige Anordnung oder Abfolge zumal farblich kontrastierender Zonen von Körperteilen bei Tieren oder Pflanzen (bspw. an Beinen, Stacheln, am Schwanz, ihrem Gehäuse u.v.a.m.), ferner entsprechend gewundene Formen wie bspw. der Ringelschwanz eines Schweineferkels, der Samenstand des Schneckenklees oder eines Triebes bei einem >Korkenzieher<-Haselstrauchs, schließlich liegt auch dem >Ringeltanz< diese Struktur zugrunde.

Des Weiteren bezeichnet man damit die gezielt vorgenommene mechanische Bearbeitung von Pflanzen oder Pflanzenteilen wie bspw. Stamm oder Ast von Bäumen oder Sträuchern durch einen mehr oder weniger tiefen Rundumschnitt oder durch ein streifenweise ausgeführtes Ablösen der Rinde, möglicherweise bis ins Holz, ferner durch Strangulieren mit technischen Materialien (Schnur, Plastikband, Draht o.a.m.). Dies dient der Erzielung einer jeweils bestimmten Wirkung, sei es das Absterben des oberstehenden Organs oder einer Förderung der Fruktifikation auf Grund der Stauung vom Assimilatesaft. Folgerichtig spricht man bei von Insekten sowie von Nagetieren gelegentlich ausgeführten ringförmigen Einbissen und Einschnitten oder deren stückchenweise bis bandförmigen Ablösung der Rinde wie bspw. vom Siebenschläfer ebenfalls von Ringelungen. Genauso bezeichnet man die mit Schnabeleinschlägen hergestellten äußerlichen Beschädigungen an gesunden Bäumen durch Spechte als Ringeln der Spechte. Es gibt auch ähnliche Schadbilder durch andere Tiere und v.a. eine ganze Reihe verwechselbarer natürlicher Baumeigenschaften, die wie Beringelungen aussehen, ihnen zumindest ähnlich sind, alles in allem sog. Scheinringelungen; sie sind ebenfalls >bildbedürftig< und werden daher zwecks der Feldbiologie im Buch in Wort und Bild eingehend beschrieben, ihrer Vielfalt wegen hier jedoch in der Kurzfassung nicht vorgestellt.

 

Spezielle Definition der Spechtringelung

Als Ringeln der Spechte bezeichnet man das Anschlagen der Rinde absolut gesunder Bäume mit einer i.d.R. Mehr- bis Vielzahl perlschnurartig neben / hintereinander angeordneten Hiebswunden am Stamm, manchmal auch an einem Ast, dann am ehesten einem Steilast; ausnahmsweise wird ein horizontal abgehender Ast bearbeitet, mitunter sogar ringsum, also auch auf dessen Unterseite (v.a. bei der besonders beliebten Roteiche). Ganz selten beschränkt sich das Beringeln auf nur wenige oder gar nur ein bis zwei Hiebspunkte. Regelmäßig entsteht von einem Sitzplatz aus jeweils eine sog. Hiebsreihe. Meist schließt sich daran eine weitere Hiebsreihe oder mehrere an. Solche längeren Abfolgen bezeichnet man als sog. Ringel oder Ringe. Als sog. Stück- oder Teilringe umfassen sie das Objekt nur partiell, als sog. Vollringe = Vollringel weitgehend oder ganz, dies am ehesten an klein dimensionierten Objekten.

Die Hiebsreihen und Ringel verlaufen meist ziemlich horizontal, manchmal schnurgerade, ansonsten leicht bogenförmig, mitunter partiell aber auch schräg nach unten oder oben. Ausnahmsweise kommen Stellen vor, wo eine Vielzahl von Hiebswunden nicht in Reihe, sondern gehäuft eng beisammen stehen. Daß auch in diesem Fall die Wunden getrennt angebracht sind, gehört in den Zusammenhang der unter Aspekt 6 erörterten Tatsache, daß alte Wunden grundsätzlich nicht erneut angeschlagen und sämtliche Hiebe optisch gezielt plaziert werden.

 

 

Wie gesagt treten die dabei äußerlich verursachten Verletzungen der Rinde meist erst im Zuge ihrer Vernarbung deutlich sichtbar in Erscheinung, gewissermaßen als >Denkmäler< dieser Spechtarbeit und werden erst dann wahrgenommen. Denn im ursprünglichen Zustand sind die Ringelwunden, zumal im Falle der schlichten sog. >Einstiche< (Wundtyp Nr. I / s.u.) überaus klein und ziemlich unscheinbar. Je nach Baumart und der Rindenbeschaffenheit bleiben die durch ihre Vernarbung hervorgerufenen äußerlichen Schadbilder über kürzere bis fallweise sehr lange Zeit sichtbar. Die im Holz herbeigeführten farblichen und strukturellen Effekte sind auf ewige Dauer konserviert (s.u.).

 

Der Ringelungsvorgang

Da man ringelnde Spechte kaum einmal, also nur zufällig zu Gesicht bekommt, sind die Beschreibungen authentischer Beobachtungen der Vögel beim Ringeln im Schrifttum überaus spärlich. Das Grundprinzip und der Vorgang einer Beringelung, dem man erst im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts auf die Spur kam; läßt sich grob wie folgt beschreiben: der Vogel sitzt am Stamm bzw. am Ast und schlägt – eineHiebsreihe als meist tendentiell horizontal ausgerichtete Abfolge von Wunden, dies meist in einem verblüffend gleichen Abstand, teils eng, ja mitunter dicht nebeneinander oder mit größeren Abstand; klar und besonders deutlich belegen dies die davon ausgelösten farblichen Makel im Holz (s.u. Aspekt 5 u. 7).

Sodann nimmt der Vogel oft mit einem kurzen >Sprung< einen Platzwechsel nach der Seite hin vor und hängt als Fortsetzung eine neue Hiebsreihe an und so fort; daraus resultieren die besagten Ringel. Es kann auch sein, daß er um eine Etage höher springt (sehr viel seltener >rutscht< er nach unten), um dort erneut auf dieselbe Weise zu verfahren, so kommen übereinander angeordnete Ringel zustande, was fallweise auch zu einem späteren Zeitpunkt geschieht, in manchen Fällen über die Dauer von Jahren oder gar Jahrzehnten.- Es gibt keine zwingende Norm, weder für die jeweiligen Abstände, noch für die Anzahl der Wunden, noch für die Anzahl übereinander hergestellter Ringe.

 

Die wichtigsten Korrekturen und Ergänzungen zu bisherigen Auffassungen

Bei meiner Durchleuchtung und kritischen Würdigung so gut wie sämtlicher bisheriger Verlautbarungen und Darstellungen zur Spechtringelung stellten sich überaus viele Irrtümer und unzulängliche Angaben heraus. In den wenigsten der 9 zum Buch erschienen Rezensionen (s.u.) werden die von mir aufgedeckten Irrtümer, somit auch die notwendigen Korrekturen und Ergänzungen nicht explizit erwähnt oder gar herausgestellt, obwohl es sich um Kernpunkte des Ringelns handelt.

Als besonders korrektur-, revisions- und ergänzungsbedürftig stellten sich die nachfolgend aufgelisteten Aspekte 1-10 heraus; sie werden in dieser Darstellung unabhängig von der dem Buch zugrundeliegenden Gliederung kurz beleuchtet. Allein schon dieser Korrekturen und Ergänzungen wegen stellt das Buch das Ringeln der Spechte auf eine neue Grundlage.

  1. Die Wundtypen (Grundformen der Ringelungswunden) in ihrer bisher nie beschriebenen rätselhaften Vielfalt sowie die Form ihrer Vernarbung
  2. Ringelbaumarten, Bevorzugung bestimmter Gehölze und Häufigkeit von Beringelungen
  3. Baumsäfte und die baumphysiologischen Grundgebenheiten
  4. Zeitpunkt der Ringelungen unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen Bluter- und Nichtbluter-Gehölzen
  5. Die visuell gesteuerte Platzierung der Ringelwunden
  6. Bearbeitung alter Wunden?
  7. Die Ringelungsmarken im Holz
  8. Kambiophage Wundparasiten
  9. Verzehr von Harz bei Koniferen?
  10. Ringelungsursache: ein Kernpunkt des Buches (A 12.4) ist die Widerlegung der seit über 125 Jahren bis heute als gültig unterstellten Saftgenuß-Theorie. Sie ist eine von mehr als 20 Deutungen, die im Buch im Einzeln näher abgehandelt werden; darunter sind höchst sonderbare und skurille Erklärungen.

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