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zu Aspekt (4): Zeitpunkt der Ringelungen

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Nach bisher herrschender Ansicht erfolgt das Beringeln nur bzw. hauptsächlich im Frühjahr (stellvertretend folgende Zitate: „Hauptmonate … März bis Mai“ / Handbuch der Vögel Mitteleuropas; „findet nur im Frühjahr statt“ / ALTENKIRCH 2002; Kap. A 10). Dies trifft keinesfalls zu. Bei den Bluterbaumarten beschränkt sich das Beringeln nach jetzigem Kenntnisstand auf den Zeitraum ihrer Blutungsphase, die je nach Baumart in die Zeit vom Nachwinter bis zum Austrieb der Blätter fällt; am Anfang stehen die Ahorne Acer spec. (Beringelungen meist ab Mitte–Ende Januar, gelegentlich schon im Dezember); Hainbuche und Birke bluten hierzulande erst in der Zeit (Februar) März (April). Die Nichtbluter-Bäume (also einschließlich aller Nadelbäume) werden zwar gelegentlich auch schon vor der Vegetationsperiode beringelt, hauptsächlich jedoch während der Vegetationszeit, also etwa in der Zeit von (Anfang) Mitte Mai bis Ende August / Anfang September (im Buch Tab.2a bzw. graphisch Tab.2b).

Eminent wichtig wie bezeichnend ist in diesem Zusammenhang der Befund, daß nach meiner auf vielen Nachprüfungen und Versuchen beruhenden Erkenntnis Schadbilder nach Art vom sog. >Eichenkrebs< bzw. der >T-Krankheit< an den Bluterbaumarten nicht vorkommen; allenfalls vorgetäuscht durch besondere Umstände (s. hierzu Buch-Foto 18). Jene Krankheitsbilder an Laubbäumen sind so gut wie immer eine Folge des Befalls mehr oder weniger frischer Ringelungswunden durch kambiophage Kleininsekten, entweder der Gallmücke Resseliella quercivora oder auch der Fliege Chyliza leptogaster (s. unter Ziffer 8). Diese beiden Organismen schwärmen aber  nur während der Vegetationszeit. So wenig wie man an Bluter-Laubbäumen diese Insekten an Ringelstellen antreffen kann, so wenig von ihnen erzeugte Nekrosen an dieser Baumkategorie (Näh. bei DENGLER 2004). Daher sind die von diesen Insekten an Laubbäumen verursachten Schadbilder ein besonders wichtiges Indiz zum Ringelungszeitpunkt, darüber hinaus auch ein Schlüsselfaktor im Hinblick auf die Präferenz bestimmter Baumarten als Beringelungsobjekte, weil fast alle Laubhölzer Wirtsbäume für die beiden genannten Insekten sind (s.u. Nr. 7).

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