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Die Spechtringelung
"Thesen und Fakten rund um die Spechtringelung"
Klaus Dengler (2012/2017)

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Vorwort

Als Ringeln der Spechte = Spechtringelung bezeichnet man das wenig bekannte oder kaum beachtete biologische Phänomen, daß manche unserer einheimischen Spechte manchmal zu bestimmten Zeiten im Jahr an absolut gesunden Bäumen am Stamm und auch an Ästen auf eine ihnen eigene Art und Weise Wunden schlagen. Dieses Verhalten ist schon seit weit mehr als 175 Jahren bekannt und war seither immer wieder Gegenstand von Verlautbarungen jedweder Art in naturkundlichen und speziell ornithologischen Schriften bis hin zu größeren Abhandlungen. Sowohl die davon hervorgerufenen >Schadbilder< und als auch die Spechte als Verursacher waren aber schon vorher bekannt gewesen (Anhaltspunkte in der Literatur gehen bis auf etwa 1800 zurück). Als Deutung für das Geschehen wurden im Laufe der Zeit weit mehr als 20 Erklärungen aufgeboten, von denen sich die um 1849 spekulativ aufgekommene sog. Saftgenuß-Theorie langsam durchgesetzt und für die Dauer von fast 125 Jahren bis in unserer Zeit als gültige Interpretation behauptet hat. Sie geht davon aus, daß dieses Ringeln der Gewinnung von Baumsaft zum Zwecke der Ernährung dient und auch eine Bedeutung für die Verbreitung des Großen Buntspechts, dem >Ringelspecht Nr.1< hat.

Eine von mir (Verfasser) in der Zeit um 1980 zufällig registrierte frische Beringelung an Kiefern war seinerzeit für -mich als Lehrer an einer forstlichen Hochschule der geradezu zwingende Anlaß gewesen, mich intensiv und detailliert mit dieser Materie zu befassen. Die systematische Sichtung des gesamten seit etwa Mitte des 19.Jh’s dazu vorliegenden und einsehbaren Schrifttums sowie die eigenen Beobachtungen und speziellen Erhebungen über die Dauer von etwa 3 Jahrzehnten schlugen sich im folgenden 2-bändigen Buch, einer enzyklopädisch-konzipierten Monographie nieder:

DENGLER, K. (2012): „Thesen und Fakten rund um die Spechtringelung“

(ISSN 0940-3689; Textband Nr. 23 –1 = 627 Seiten + Bildband 23 – 2 = 346 Fotos, 29 Abbildungen, 7 Tabellen, 4 Karten sowie als digitales Archiv eine CD-ROM; Nr. 23 der Schriftenreihe der Hochschule für Forstwirtschaft / Schadenweilerhof 72108 Rottenburg., nachfolgend im Text als >Spechtbuch< bzw. kurzerhand als Buch bezeichnet (siehe Webseite: https://www.hs-rottenburg.net/studiengaenge/bsc-forstwirtschaft/praxis/schriftenreihe/).

Im Band 1 = Textband werden kapitelweise sämtliche Einzelaspekte unter Zugrundlegung der jeweils dazu vorliegenden Meinungen und Angaben in der Literatur einschließlich mündlicher Mitteilungen möglichst im Wortlaut oder in einer sinngemäßen Formulierung zusammen mit den eigenen Befunden des Verfassers, in Form eines Kommentars kritisch abgehandelt. Fast jede dieser Erörterungen mündet in ein meist kurzes Fazit als Quintessenz.

Im Band 2 = Bildband sind alle im Text geschilderten und besprochenen Erscheinungsformen von Ringelungen sowie wichtigste Verwechslungsmöglichkeiten mit jeweils vielen einschlägigen Fotos sowie zeichnerischen Abbildungen ausgewiesen; außerdem enthält er Tabellen sowie Diagramme und Karten zu speziellen Fragestellungen.

Ein besonderes Gewicht hat die bis zur Klärung durch den Autor weitgehend unbekannte sog. T-Krankheit an Laubbäumen, bekannt an Eichen als der sog. >Eichenkrebs<. Denn diese steht fast immer in einem engen Zusammenhang mit einer Spechtringelung, nämlich als Folge des Befalls der durch das Ringeln herbeigeführten mehr oder weniger noch frischen Wunden durch kambiophage Kleininsekten. Hauptverantwortlich ist hierbei die Gallmücke Resseliella quercivora (Näheres zu ihrer Biologie, Ökologie und Schadwirkung bei DENGLER, K. 2004: „Forschungen zur kambiophagen Gallmücke Resseliella quercivora“ = Band Nr. 21 der gleichen Schriftenreihe); fallweise ist auch die als Wundbesiedler bisher nicht bekannte Nacktfliegen-Art (Psilidae, Dipt.) Chyliza leptogaster beteiligt (Näheres bei DENGLER 1997a: „Zur Lebensweise von Ch. leptogaster PANZER und Chyliza nova KOLLIN und ihre Bedeutung als Urheber von Bastnekrosen an Laubbäumen.“ Studia Dipterologica 4, 143-164).

Außer dem Ringeln hat das Buch noch sog. Hackschäden, das sog. Abschuppen an gesunden Bäumen und als eine weitere >Machenschaft< sog. Hackuntaten an Gütern der menschlichen Wirtschaft zum Gegenstand.

Bei dieser kritischen Durchleuchtung aller bisher zur Spechtringelung und sonstigen Aktivitäten der Spechte an gesunden Bäumen (>Hackschäden<) publizierten Auffassungen und Verlautbarungen und der eigenen Befunde, die jeweils als sog. Fundstelle in die genannte Publikation eingingen (sie können auf der dem Buch beigegebenen CD-ROM mit Hilfe der Suchfunktion aufgerufen werden), stellte sich mit den kapitelweise daraus generierten Erkenntnissen, den Fazits, heraus, daß nicht nur überaus viele der bisherigen Auffassungen und Darstellungen zu den unterschiedlichsten Aspekten des Spechtverhaltens äußerst oberflächlich, unzulänglich oder gar völlig unzutreffend, mitunter grotesk und einer abenteuerlichen Phantasie entsprungen sind, vereinzelt auch Ausdruck von Gedankenlosigkeit (vor der man aber auch selbst nicht gefeit ist). Besonders verbreitet ist, zumal im Schrifttum jüngerer Zeit, eine unkritische Übernahme und „ewig nachgeschriebene“ Weitergabe „fremder Behauptungen“, was schon vor 150 Jahren ALTUM (1873b), seinerzeit der Altmeister der Forstzoologie, beklagt hat. Auch zeugt die eine oder andere dieser Publikationen davon, daß der Autor eine Beringelung offensichtlich noch gar nicht in der Natur gesehen haben kann.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die eingangs genannte Deutung, die sog. Saftgenuß-Theorie = Saftlecker-Hypothese; sie bedarf einer kritischen und subtilen Diskussion. Ihr liegt die Annahme zugrunde, daß die Ringelspechte die den Bäumen innewohnenden Säfte zum Zwecke ihrer Ernährung nutzen und diese Ressource für sie von existentieller Bedeutung ist und auch ihre geographische Verbreitung beeinflußt. Im Abschnitt >Ringelungsursache< = Aspekt 10 gehe ich dieser Auffassung nach. Hier sei lediglich vermerkt, daß diese ernährungsbiologische Erklärung nur vom Ansatz her zutrifft, nicht jedoch in der ihr beigemessenen Bedeutung als elementare und unverzichtbare Nahrung.

 

2017: Kurzfassung des Textbandes

Vorbemerkungen:

Mein Diktum, sämtliche einschlägigen Fundstellen und eigenen Befunde zu einem jeweiligen Aspekt (ca. 80 Kapitel zur Ringelung, 11 zu Hackschäden, jeweils 1 zum Abschuppen und zu den Spechtuntaten) zur Sprache zu bringen, brachte mit sich , dass das Lesen des Buches allein schon seines Umfangs wegen mühsam und zeitraubend, kein flüssiger Lesestoff ist; eher ein enzyklopädisches Nachschlagewerk, das sich in erster Linie an solche Personen richtet, die sich intensiv mit der Materie befassen bzw. befassen wollen. Denn es gibt bisher keine Abhandlung zur Spechtringelung, welche die Materie umfassend erörtert und zugleich nach allen Richtungen hin kritisch darstellt. Daher erschien es opportun, eine Kurzfassung des Textbandes samt einer Auswahl von Fotos aus dem Bildband vorzulegen, um also damit einen breiteren Interessentenkreis anzusprechen. Ihr Text fußt im Wesentlichen auf den aus den Fundstellen generierten kurzen Fazits. Die einschlägigen Fotos (durch Antippen werden sie vergrößert) werden kommentarlos gezeigt; im Text wird fallweise mit dem Hinweis Buch-Foto(s) bzw. Buch-Abb. auf das eine oder andere der vielen weiteren Illustrationen im Buch hingewiesen. Einige Fotos sind erst nach dem Erscheinen des Buches entstanden, sind also dort nicht enthalten.

Nahezu an den Anfang der Kurzfassung sind unter der Ziffernfolge 1-10 die wichtigsten bisherigen Irrtümer, sowie besonders bedeutungsvolle Erkenntnisse zusammengestellt.

Auf die nähere Darlegung der im Buch abgehandelten Themenkreise: HACKSCHÄDEN (Kap.B), ABSCHUPPEN (Kap.C), HACKUNTATEN (Kap.D) wird verzichtet, ferner auf die Darstellung der von Schlafmäusen (im Wesentlichen vom SIEBENSCHLÄFER) verübten vielfältigen Rindenbeschädigungen an gesunden Bäumen, von denen 2 Formen mit Ringelungsbildern verwechselbar sind. Außerdem entfällt die Beschreibung der den Ringelungsschadbildern ähnlichen natürlichen Rindenbildungen, sog. SCHEINRINGELUNGEN, die im Buch eingehend- behandelt sind.

Rezensionen:
Ergänzt wird die Kurzfassung durch die Wiedergabe der zum Buch erschienenen Rezensionen. Von Brisanz ist lediglich die Besprechung von H.WINKLER (2014); sie zwingt zu einer Stellungsnahme, weil der Rezensent glaubt, meine von der Saftgenuß-Hypothese abweichende Deutung des Ringelungsgeschehens allein mit einer singulären Beobachtung in Abrede stellen zu können. Es geht dabei um nichts weniger als um die grundlegende Frage, ob meine Widerlegung der Saftgenuß-Theorie (Kap. A 14.2) zutrifft oder nicht. Des Weiteren glaubt WINKLER, mit seiner Beobachtung die Rolle von Phloemsaft als essentielle Spechtnahrung unter Beweis stellen zu können. Er wie nahezu alle Ornithologen und Naturkundler vor ihm läßt jedoch die für eine Phloemsaftnutzung maßgebenden baumphysiolgischen Mechanismen außer Acht. Des Weiteren bedürfen auch die 4 folgenden von WINKLER aufgegriffenen Aspekte einer seriösen Erörterung:

► ein >6.Sinn< seitens der Ringelspechte,

► die von mir zur Diskussion gestellte Erklärung des Ringelns als >Verhaltensatavismus<

► >methodisch korrekte quantitative Analysen<

► die Möglichkeit >wissenschaftlicher Untersuchungen zur Spechtringelung

 

Kurzfassung des Textbandes vom >Spechtbuch< (2017)

Inhaltsverzeichnis

„Thesen und Fakten rund um die Spechtringelung“
(Textband)

Teil I: Kurzfassung des Textbandes

Erläuterungen
Zum Begriff Ringeln
Definition der Spechtringelung
Der Ringelungsvorgang

Die 10 wichtigsten revisions- und ergänzungsbedürftigen Einzelaspekte:
1) Die Wundtypen (Grundformen I-V und die Vernarbung) 2) Die Ringelbaumarten und Präferenzen 3) Die Baumsäfte u. die Baumphysiologe 4) Der Ringelungszeitpunkt 5) Die visuelle Platzierung der Ringelwunden 6) Die Bearbeitung alter Ringelwunden?? 7) Die Ringelungsmarken im Holz 8) Die kambiophagen Wundbesiedler 9) Harzverzehr? 10) Die Ringelungsursache: Deutungen zur Spechtringelung

Die rätselhafte Objektwahl (Die 5 Sinne und ein 6. Sinn?)

Kurze Angaben zu 14 weiteren Gesichtspunkten (Themenbereiche u.a. >Scheinringelungen<)

Hinweise auf Hackschäden / Abschuppen / Hackuntaten / Rindenbeschädigungen von Siebenschläfern

Teil II: Die Rezensionen:

Buchankündigung durch Dr.B.Kaiser

Die weiteren 8 Rezensionen im Einzelnen
Glutz v. Blotzheim, ders.+ Bénoit 2012, L.B. 2013, Günther
2014, Rapp 2014, P.N.G. 2014, Weiss 2015, Winkler 2014

Stellungsnahme zu H.Winkler:

  • Die Saftgenuß-Theorie, stimmt sie / stimmt sie nicht?
  • Ein >6.Sinn<?
  • Ein >Verhaltensatavismus<?
  • Methodisch korrekte quantitative Analysen?
  • Wissenschaftliche Untersuchungen?
Teil III: Ein Experiment zur Spechtringelung
Teil IV: Ergänzungen: zwischenzeitlich (seit dem Erscheinen des Buches) gewonnene Befunde und Erkenntnisse
Teil V: RESÜMEE >Die Spechtringelung — eine >rätselhafte Handschrift<
Teil VI: Neues Erratum: Fehler / Korrekturen zum Buch
Teil VII: Anhang: ein Bericht über den Dreizehenspecht in Finnland als Nutznießer vom Phloemsaft Waldbrand-geschädigter Kiefern samt meinem Kommentar.

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